, CH

Bericht im Landboten

Elgg, Ellikon/Marthalen, Oberwinterthur und Neftenbach wollen sich in der Gruppe 5 nach vorne orientieren oder zumindest nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Für einen Aufsteiger aus der Region ist es wohl noch zu früh. 

Landbote: 29.09.2022, 11:18 Uhr, Urs Kindhauser

Eine gewisse Trostlosigkeit kann man den im September an Wochentagen angesetzten 3.-Liga-Partien nicht absprechen, zumindest was das Ambiente betrifft. Lediglich ein paar Dutzend Zuschauerinnen und Zuschauer wohnten bei kühlen Herbsttemperaturen und Dunkelheit dem 2:2 zwischen Oberwinterthur und Neftenbach bei. Die Partie zwischen Elgg und Ellikon/Marthalen vom Mittwoch musste wegen anhaltenden Regens sogar verschoben werden.

Eine Umschau bei den Teams der Gruppe 5: 

Elgg: Starker Aufsteiger will vorne bleiben
Aufsteiger Elgg ist mit drei Siegen in den ersten drei Spielen (6:1 gegen Neftenbach, 4:2 gegen Mitaufsteiger Wiesendangen 2 und 2:0 gegen das regelmässige 3.-Liga-Spitzenteam Phönix 2) hervorragend in die neue Saison gestartet. Das mag viele verwundern, nicht aber Elggs Trainer Naim Delijaj. «Das ist kein Zufall», sagt er selbstbewusst. «Wir haben ein starkes Kader, das mehr kann als 4. Liga.» 


«Wenn wir schon mal in der Spitzengruppe sind, wollen wir möglichst auch da bleiben.»
Naim Delijaj, Trainer FC Elgg 


Delijaj hat das Team im Frühsommer 2021 am Ende der pandemiebedingt halbierten Saison 2020/21 übernommen. Elgg spielte nur noch einmal, war aber viel zu weit abgeschlagen, um den Abstieg aus der 4. Liga noch abzuwenden. «Das wunderte mich», erinnert sich Delijaj. «Ich sah, dass Potenzial da war, und ich war überrascht, dass das Team so wenig Punkte hatte.» Die Mannschaft sei verunsichert gewesen. In der 4. Liga gelang es dem Trainer aber, das Potenzial herauszukitzeln. Mit nur einer Niederlage in der ganzen Saison reichte es zwar nur zu Rang 2 hinter Wiesendangen 2. Der Aufstieg gelang als mit Abstand bester Gruppenzweiter jedoch souverän. Es herrsche eine gute Harmonie zwischen jungen und erfahrenen Spielern, sagte Delijaj. Elgg spielt offensiv und mit intensivem Pressing, das auch Kraft braucht. Bisher ist das aufgegangen, zumal die Mannschaft mit Muhamet Ramadani einen der besten 3.-Liga-Torschützen in seinen Reihen hat. «Unser Ziel ist es, unter die ersten Fünf zu kommen», meint der Trainer. «Aber wenn wir schon einmal in der Spitzengruppe sind, wollen wir möglichst auch da bleiben.» 

Ellikon/Marthalen: Alles selber erarbeiten
Mehr noch als Elgg gehört der FC Ellikon/Marthalen zum «Inventar» der 3. Liga. Letzte Saison allerdings wurde es eng, sehr eng sogar. Der Ligaerhalt konnte erst in der letzten Runde definitiv sichergestellt werden. «Das Team musste sich erst an uns gewöhnen und an den Fussball, den wir spielen lassen», erklärt Daniel Riesen, der das Team mit Severin Eigenheer nun in der zweiten Saison führt. «Wir hatten auch viele Absenzen und womöglich habe ich auch nicht immer die goldrichtige Aufstellung gefunden.» Diese Saison soll es besser werden. Riesen und sein Team haben sich einen Platz in der vorderen Tabellenhälfte zum Ziel gesetzt. Mit vier Punkten aus drei Spielen war der Saisonstart zufriedenstellend. Im Cup schalteten die Marthaler erst den 2.-Ligisten Beringen aus, ehe sie mit 0:4 an Diessenhofen scheiterten. Gegen Diessenhofen hatten die Weinländer schon zehn Tage vorher in der Meisterschaft 2:6 verloren. Gerade an diesen beiden Spielen erklärt Trainer Riesen, welche Fortschritte sein Team gemacht hat. «In der Meisterschaft waren wir noch chancenlos. Im Cup aber verloren wir nur, weil wir ärgerliche Fehler machten.» Grundsätzlich will sich Ellikon/Marthalen in der 3. Liga nach vorne orientieren. «Ich will das und das Team will das auch», sagt Riesen. «Aber wir müssen bei uns alles aus dem eigenen Verein entwickeln, die Spieler, ihre Ausbildung und auch die der Trainer bei den Junioren.» Von auswärts sei es schwierig, Spieler anzulocken. Gefragt wäre beispielsweise ein routinierter «Sechser» oder Innenverteidiger, um die Defensive zu stabilisieren. Immerhin ist man froh, dass der langjährige Goalie Mladen Nastevski nach einer Pause zurückkehrt und vor seinem ersten Ernsteinsatz steht. Im Angriff war Ellikon/Marthalen immer schon stark. «Wir haben auch jetzt eine der besten Offensiven der Liga», ist Riesen überzeugt. 

Neftenbach: Nichts mit dem Abstieg zu tun haben
Wie spannend und umkämpft 3.-Liga-Fussball sein kann, zeigten Oberwinterthur und Neftenbach auf dem Kunstrasen des Sportplatzes Hegmatten. Nach einem 0:2-Rückstand kam Neftenbach in der Schlussphase so richtig in Fahrt und glich in der Nachspielzeit noch aus. «Egal ob das nun ein Punkt ist oder drei – das fühlt sich für uns wie ein Sieg an», sagte Neftenbachs Trainer Arif Sabani. Er meinte das mit Blick auf die bisherigen Resultate: Von Diessenhofen war man zum Saisonstart 1:6 überrannt worden, dann folgte ein 1:6 gegen Elgg. «Wir haben nicht so schlecht gespielt, wie die Resultate aussahen», so Sabani. «In Oberwinterthur haben wir eine gute zweite Halbzeit gezeigt und spielten so aggressiv und mutig, wie wir uns das vorgenommen haben.» «Die Qualität ist sicher da, aber wir müssen noch ein bisschen reifen.»Sasa Rakic, Trainer FC Oberwinterthur Für Neftenbach geht es darum, so bald wie möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben. «Wir müssen die Karten jedes Jahr ein bisschen neu mischen», erklärt Trainer Sabani und meint damit die Abgänge. Mit Daniel Tavares wechselte ein wichtiger Offensivspieler zurück zum FC Seuzach und Thomas Teger erlitt einen Kreuzbandriss. «Da fehlen uns vorne 28 Tore», sagt Sabani. «Dadurch mussten wir die Ziele etwas tiefer ansetzen.» 

Oberwinterthur: Einem jungen Team die Hektik nehmen
Für den FC Oberwinterthur war die Schlussphase des Spiels gegen Neftenbachein Déjà-vu. Schon im Cup gegen den 2.-Ligisten Phönix hatte man in der Nachspielzeit das entscheidende 1:2 kassiert. Und davor war in der Meisterschaft die Partie gegen den Nachbarn Wiesendangen 2 2:3 verloren gegangen, obwohl man bis zur 90. Minute 2:1 geführt hatte. Gegen Neftenbach hätte Oberi zur Pause höher als 2:0 voraus sein können. Eine Frage der Kondition seien die späten Gegentore aber nicht, meinte Trainer Sasa Rakic. «Trotz der 2:0-Führung hatten wir immer eine gewisse Hektik und konnten das Spiel nie kontrollieren.» Sein Team habe aber grundsätzlich gute Spiele gemacht. Zwar sind Oberwinterthur in den Schlussminuten zwei weitere Punkte aus den Händen geglitten. Doch tragisch ist das nicht, denn man hat keinen absoluten Spitzenplatz im Visier. «Wir sehen uns im vorderen Mittelfeld. Ziel ist ein Platz unter den ersten Fünf», sagt Rakic. Für einen allfälligen Aufstieg in die 2. Liga sei es noch zu früh. «Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Die Qualität ist sicher da, aber wir müssen noch ein bisschen reifen.»